Sechs Jahre und acht Monate. So lang hat es zwischen dem Kauf meines Mercedes 814 DA und der ersten Fahrt durch Kanada gedauert. Der Umbau vom Schweizer Feuerwehrauto zum Expeditionsmobil hat alles gekostet, was ich an Naivität hatte und noch ein bisschen mehr. 2018 bin ich gerade von meiner sechsmonatigen Backpacking-Reise aus Südamerika zurückgekehrt. Geküsst von der Schönheit dieser Welt wusste ich direkt bei meiner Heimkehr, dass diese Reise erst der Anfang gewesen sein muss. Also habe ich mir eine alte Schweizer Feuerwehr von 1994 gekauft. Das Ziel war es in 2-3 Jahren das Fahrzeug in einen Camper umzubauen und damit dann von Canada nach Patagonien zu fahren. Natürlich.

Mercedes 814DA T2 Feuerwehr Schweiz

Warum ein Feuerwehrauto als Basis für ein Expeditionsmobil

Die Wahl eines Oldtimers macht auf den ersten Blick vielleicht wenig Sinn, gibt es doch tolle moderne Fahrzeuge wie den Sprinter, Iveco oder MAN. Sie sind deutlich sparsamer, flotter unterwegs, komfortabler und deutlich sicherer. Doch sie sind mittlerweile auch rollende Computersysteme, die randvoll mit Elektronik, Assistenten und Software vollgepackt sind. Das kann bei Reisen in weit entfernten Ländern mit eingeschränkter Werkstatt-Infrastruktur durchaus problematisch werden. Bleibt man mit so einem modernen Fahrzeug liegen, kann einem meistens erstmal nur ein Computerfachmann weiterhelfen.

Der Mercedes 814 DA hat all diese schönen Spielereien nicht. Es ist der letzte “kleine LKW” von Mercedes, der über keinerlei Elektronik verfügt. Er ist zwar laut, langsam und nicht sonderlich sparsam, was den Sprit angeht. Dafür ist er sehr robust gebaut und lässt sich deutlich einfacher reparieren. In vielen Ländern dieser Welt (jedenfalls dahin, wo ich fahren will) fahren noch deutlich mehr alte Fahrzeuge als neue durch die Gegend. Dementsprechend sind die Mechaniker erfahrener mit “einfachen” Fahrzeugen als mit den neuesten Modellen.

Warum ehemalige Feuerwehrfahrzeuge ideal sind

Feuerwehrfahrzeuge haben noch einen zweiten Vorteil. Sie sind in der Regel pfleglich gewartet und haben wenige Kilometer auf dem Tacho. Mein 814 DA namens “Felice” hatte beim Kauf erst 9.800 km auf dem Buckel. Und das nach damals knapp 30 Jahren. Ich bin in der Zeit wahrscheinlich mehr zu Fuss gegangen, als Felice gefahren ist.

Mercedes ExpeditionsFahrzeug T2 Wohnkoffer

Die wichtigsten Entscheidungen beim 814 DA Umbau

Die Zwischenrahmen-Lagerung. Die Aluminium-Wohnkabine muss federn und sich gegen das Fahrerhaus verwinden können, sonst kann der Rahmen oder die Kabine reissen. Meine Wohnkabine ist dreipunktgelagert, was sich bisher gut bewährt hat.

Die Isolierung. Je nachdem, wohin man reisen möchte, ist die Dicke der Isolierung wichtig. In meinem Fall galt: lieber zu dick als zu dünn. Ich brauche ein Allround-Fahrzeug. Eines, das mit Kälte und Wärme klarkommt. In Patagonien wird es kalt. In Mexiko heiss. Beides muss das Allrad-Wohnmobil können.

Die Wassertanks. Gross genug für zwei Wochen autark. Wer an einer schönen Bucht, weit weg von jeglicher Zivilisation steht, möchte nicht nach zwei Tagen wegfahren müssen, weil das Wasser leer ist. Ich habe rund 230 Liter Frischwasser an Bord und einen 80-Liter-Abwassertank. Mein Wasserfiltersystem besteht aus zwei Kohlefiltern und zwei Keramikfiltern von Famous Water. Damit kann ich aus fast jeder Pfütze Trinkwasser zaubern. Inklusive köstlichem Eigengeschmack.

Genügend Strom. Mir war Gas schon immer unheimlich. Ausserdem habe ich keine Lust, mich mit Gasflaschen und den unzähligen Anschlüssen auf dieser Welt rumzuärgern. Deswegen koche ich in der Kabine mit Strom (Induktion). Das zieht natürlich entsprechend viel Strom, was ein grosses Elektrosystem zur Pflicht macht. Mein System im Überblick:

  • Bordnetz: 24V (mit 12V-Wandler für Kleinverbraucher)
  • Wechselrichter: 230V / 3 kW für Induktion
  • Solar: 6 Panele, 960 Wp gesamt (2x Reihenschaltung)
  • Batterie: 400 Ah Lithium-Ionen
  • Lichtmaschine: 100A, lädt während der Fahrt zusätzlich

Umbau Reisemobil Elektronik

Arbeiten am Fahrzeug. Am LKW selbst wurde nur relativ wenig optimiert. Die alte Feuerwehr ist in einem ausgezeichneten Zustand. Keinerlei Rost, von der Schweizer Feuerwehr bestens gepflegt. Als ich nach knapp sieben Jahren nach der Abmeldung das erste Mal zur TÜV-Inspektion musste, ist der mittlerweile 33 Jahre alte Mercedes 814 DA direkt, ohne jegliche Beanstandung, durchgekommen. Was ich aus eigenem Antrieb optimiert habe: unter anderem die Dieselpumpe. Sie wurde vom Bosch-Pumpenspezialisten komplett revidiert und neu eingestellt. Das hat satte 30 PS Mehrleistung gebracht. Ausserdem sind nun moderne Marquardt-Stossdämpfer verbaut. Damit ist der LKW deutlich straffer auf der Strasse und wackelt nicht mehr so im Wind. Die originalen Mercedes-Felgen wurden gegen 19,5-Zoll-Gabo-Felgen ausgetauscht.

Fast sieben Jahre Umbau im Detail

Jedes Detail hat eine unendliche Tiefe

Das Wichtigste, was ich bei diesem Projekt gelernt habe: Plane das Doppelte an Zeit ein. Wirklich. Jedes Detail hat eine unendliche Tiefe. Du willst eine Steckdose an der Wand. Schön. Dann brauchst du ein Kabel, einen Sicherungsautomaten, einen Wechselrichter, eine Batterie, einen Laderegler, ein Solarpanel auf dem Dach usw. Jeder Schritt zieht zehn neue nach sich. Und von jedem Bauteil gibt es natürlich unzählige Hersteller, die alle das beste Produkt haben. Da durchzusteigen ist recht komplex. Vor allem, wenn man so ein Techniknerd wie ich ist und alles verstehen muss. Allein für die Recherche und das Design des Fahrzeugs und des Innenausbaus ging unendlich viel Zeit ins Land. Der Vorteil ist, dass man sein Fahrzeug dadurch von Grund auf kennenlernt. Jede Verbindung, jede Leitung, jeden Winkel des Aufbaus. Das ist Gold wert, wenn am Ende der Welt irgendwas klemmt. Jedenfalls hoffe ich das.

Wie aus drei Jahren sechs wurden

Dass das alles am Ende so ewig gedauert hat, war aber vor allem meiner grenzenlosen Naivität zu verdanken. Ich wusste, dass ich das Projekt unterschätzen würde. Aber ich hatte keine Ahnung wie sehr. Ich hatte damals weder einen technischen noch einen handwerklichen Background, noch hatte ich beim Kauf der Feuerwehr einen Stellplatz. Ich habe also eine Feuerwehr gekauft, ohne zu wissen, wohin damit. Wenn die Augen grösser sind als der Magen. Ich musste auch lernen, dass man nicht mal eben so einfach eine Wohnkabine samt Zwischenrahmen kaufen kann. Also stand das Fahrzeug die ersten zwei Jahre nur herum. Erst beim Verkäufer (ich hatte ja noch keinen Stellplatz) und dann beim Kabinenhersteller. Dessen Auftragsbücher waren randvoll und deswegen musste ich 10 Monate auf die Kabine und den Zwischenrahmen warten. Während dieser Zeit waren die Nachfragen nach Reisemobilen einfach riesig.

Innenausbau mit dem Bruder

Die nächsten 2,5 Jahre habe ich dann gemeinsam mit meinem Bruder, der Schreiner ist, am LKW gearbeitet. Ich habe das ganze Layout des Innenausbaus entworfen, jegliches Holz, die Fenster und Türen und alle technischen Geräte gekauft. Ich habe das Elektrosystem selbst gebaut (worauf ich heute noch stolz bin) und auch das ganze Wasserfiltersystem, inkl. Boiler und Heizung (Truma). Gemeinsam mit meinem Bruder haben wir dann mühevoll alle Holzplatten zunächst mit Kunstharz belegt und danach für den Möbelbau zugeschnitten. Für alle anderen Flächen, wie den Boden, die Decke, die Wände, Fensterrahmen etc. habe ich mich für gebeizte Eiche entschieden. Das heisst, wir haben gemeinsam sehr viel Holz mit Eiche furniert. Ich habe es dann zweimal gebeizt und einmal geölt, was der Eiche diesen schönen blassen Look gegeben hat. Das alles war ein sehr langer und anstrengender Prozess. Einfach weil es sehr viel Holz war und wir nicht einmal eine richtige Werkstatt hatten.

Ich wollte es einfach so wohnlich und gemütlich wie möglich im Fahrzeug haben. Was ich bei den meisten Expeditionsfahrzeugen überhaupt nicht mag, sind diese GFK-Kabinen, die von innen aussehen, als würde man beim Zahnarzt sitzen. Da ist alles mit weissem, kaltem, plastikähnlichem GFK ausgekleidet. Davon wollte ich in meinem Fahrzeug nichts sehen. Deswegen ist alles mit leichtem Queenply-Holz gebaut und verkleidet.

Mercedes 814DA Wohnkabine gemütliche Einrichtung

Wenn man externe Hilfe braucht

Irgendwann kam das Projekt immer mehr ins Stocken. Ich habe eine Stunde von der Werkstatt gewohnt und konnte nur am Wochenende am Fahrzeug arbeiten. Mein Bruder hat zudem Familie und konnte mich nur jeden zweiten Samstag unterstützen. Wir kamen irgendwann einfach nicht mehr voran. Da waren schon gute fünf Jahre vergangen. Und das Fahrzeug war im Grunde noch ein Rohbau. Es waren zwar schon 90% zugeschnitten, belegt, furniert. Aber wir haben neben dem Leben einfach kaum Zeit gefunden, auch noch am LKW zu arbeiten. Also habe ich mich dann irgendwann schweren Herzens dazu entschlossen, Felice an einen externen Ausbauer abzugeben, der das Fahrzeug für mich fertigbaut. Es war nicht einfach, jemanden zu finden, der so ein halbfertiges Projekt übernimmt. Die Suche hat einige Zeit in Anspruch genommen. Und dann musste ich wegen voller Auftragsbücher wieder über ein Jahr warten, bis man sich Felice annehmen konnte.

Der Traum wird Realität

Nach all den Jahren habe ich irgendwann nicht mehr daran geglaubt, dass das Fahrzeug tatsächlich fertig wird und ich damit reisen werde. Ehrlich gesagt konnte ich es die letzten drei Jahre des Ausbaus nicht mehr sehen und war fest entschlossen, es direkt zu verkaufen, sobald es fertig wird. Der Traum, die Welt zu bereisen, der 2018 geboren wurde, ist über die Jahre zu einem emotionalen und finanziellen Alptraum mutiert. Das Fahrzeug hat mich sehr viel gekostet. Inklusive einer Liebesbeziehung. Ich wollte es einfach nur noch loswerden. Doch nach und nach hat Felice ihr finales Gesicht erhalten. Und als der Umbau auf die Zielgerade einbog, habe ich mich wieder in die Idee verliebt, doch auf Weltreise zu gehen. Und so schreibe ich diese Zeilen gerade aus Kanada. Hier bin ich seit einer Woche. Ich habe meinen Job gekündigt, meine Wohnung untervermietet und Felice von Hamburg nach Kanada verschifft. Und nun stehe ich an einer wunderschönen Küste in Nova Scotia. Das Abenteuer beginnt. Und ich kann kaum glauben, dass ich das wirklich noch erlebe. Doch wie heisst es so schön: nach Regen kommt Sonne. Ich hatte die letzten Jahre genug Regen. Jetzt habe ich Lust auf Sonnenbrand. Ganz fiesen, knallroten Sonnenbrand.

Expeditionsmobil Innenausbau luxoriös

Häufige Fragen zum Mercedes 814 DA Umbau

Wie lange dauert der Umbau eines Mercedes 814 DA zum Wohnmobil? Mein Umbau hat sechs Jahre und acht Monate gedauert, geplant waren zwei bis drei Jahre. Das geht natürlich deutlich schneller. Wenn das Fahrzeug in unmittelbarer Nähe zum Wohnort steht und man mehrfach die Woche daran arbeiten kann, dann kann man so ein Projekt auch in 1-2 Jahren fertigstellen.

Welcher Motor ist im Mercedes 814 DA verbaut? Der OM 364 LA. Ein Vierzylinder-Reihenmotor mit mechanischer Einspritzung, kein AdBlue, kein Partikelfilter. Genau das, was du für Reisen in Ländern mit schlechter Diesel-Qualität brauchst. Vom Werk aus hatte das Fahrzeug 140PS. Nach der Revidierung der Dieseleinspritzpumpe kommt es auf 170PS.

Ist ein altes Feuerwehrfahrzeug eine gute Basis für ein Expeditionsmobil? Ja. Drei Gründe: extrem niedrige Laufleistung (mein 814 DA hatte 9.800 km nach 30 Jahren), pflegliche Wartung durch die Feuerwehr und meist rostfreier Zustand. Plus die robuste Grundtechnik ohne moderne Elektronik.

Kann man einen Mercedes 814 DA selbst zum Wohnmobil ausbauen? Ja, aber plane realistisch. Du brauchst eine richtige Werkstatt, Werkzeug, Zeit und idealerweise eine zweite Person mit handwerklichem Background. Für besonders aufwendige Gewerke lohnt sich externe Hilfe.

Mercedes 814DA Campervan